Unsere Geschichte: das digitale Filmarchiv
„Unsere-Geschichte.de“ bereitet umfassende Zeitzeugenberichte zur deutschen Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts auf. Die digitale Filmbibliothek ermöglich die satzgenaue Suche nach Inhalten innerhalb einer unbegrenzten Menge an Filmdokumenten.
Kunde Institut für Mediengestaltung
Auftrag Konzeption, Gestaltung & Realisierung
Vorläufige Fertigstellung März 2009
Das Portal entstand in Kooperation mit dem Verein Die Augen der Geschichte e.V. und wurde gefördert durch das Ministerium des Inneren und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz.
Eine digitale Bibliothek entsteht
Das Material zur Datenbank stammt zu großen Teilen aus dem ZDF-Jahrhundertbus der zwischen 1998 und 2003 geschätzte 5.000 Stimmen zur wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingefangen hat. Das Portal ist in seiner Vollversion für sehr verschiedene Nutzergruppen bestimmt.
Zum Einen soll sich der interessierte Laie in ausgewählten und didaktisch aufbereiteten Zeitzeugenaussagen informieren können. Gleichzeitig sollen die Filmdokumente ungekürzt und umkommentiert für eine wissenschaftliche Auswertung nutzbar gemacht werden. Daraus ergeben sich u.a. folgende Fragen:
Wie können die bislang ca. 5.000 Stunden konventionellen Filmmaterials zügig digitalisiert werden? Wie können vorhandene Informationen aus verschiedenen Quellen über die Filme in die digitale Struktur verlust- und fehlerfrei migriert werden? Welche Datenbankstruktur kann eine stetige Erweiterung des Datenbestandes auch in Zukunft bewältigen? Welche Speicherlösung sichert aus heutiger Sicht die wertvollen Zeugnisse für kommende Generationen?
Neben den technischen Hürden zur Organisation des Portals im Hintergrund gab es eine Menge Fragen zu beantworten, um die riesigen Datenmengen (derzeit geschätzte 63.000 Gigabytes), insbesondere für die wissenschaftliche Auswertung nutzbar zu machen: Wie funktioniert die Verschlagwortung der Videos von jeweils 60-100 min. Länge?
Welche Methoden der Suche müssen angeboten werden, um eine sinnvolle Recherche auch bei Schlagworten mit extrem hoher Trefferquote zu ermöglichen? Wie ist intuitive Navigation durch die umfangreiche und komplexe Datenbestände zu gewährleisten?
Dies sind die Hauptfragen, die im Entwicklungsprozess zu klären waren. Anhand der Suchwerkzeuge wird im Folgenden vor allem die Lösung der ergonomischen Probleme exemplarisch erläutert.
Nachfolgend finden sich kurze Erläuterungen zu den wichtigsten Suchwerkzeugen.
Die Zeitleiste
Auf der Zeitleiste kann taggenau nach Materialsamlungen zu verschiedenen Ereignissen gesucht werden. Die höhe der Balken geben Hinweis auf die Menge der Einträge.
Die Zeitleiste ordnet alle Daten chronologisch auf einem Zeitstrahl an. Dies geschieht nach dem Prinzip der Häufigkeit. Historische Ereignisse, die besonders häufig Erwähnung finden, erkennt der Betrachter an der Balkenhöhe, die zeitliche Ausdehnung der Ereignisse an deren Breite. Damit erhält der User als erstes eine schnelle Information, ob und wie viele Einträge zu dem von ihm gesuchten Ereignis aufgefunden werden können. Über eine Zoomfunktion ist die tagesgenaue Suche möglich.
Die Personensuche
In der Personensuche können über Portraits sowohl Zeitzeugen als auch historische Personen gefunden werden.
Die Personensuche (Gesichtersuche) ist vor allem für jene Benutzer gedacht, die bereits einmal ein Interview oder einen Beitrag gesehen, aber den Namen des Zeitzeugen nicht mehr parat haben. Alle in der Datenbank enthaltenen Personen werden mittels ihres Portraits aufgezeigt, nicht nur die Zeitzeugen, sondern auch alle verschlagworteten historischen Personen. Durch eine spezielle Filterfunktion kann zwischen den beiden Gruppen unterschieden werden.
Kartografische Suche
Die kartografische Suche ermöglicht den Zugang über Orte. Über einen Regler können die Veränderungen der deutschen Staatsgrenzen über das 20. Jahrhundert nachvollzogen werden.
Diese Suchmethode funktioniert anhand der europäischen Landkarte. Auch hier spielt wiederum die Zoomfunktion eine wesentliche Rolle, da sie das Auffinden von kleineren Ortschaften ermöglichen soll. Der geschichtliche Kontext muss für dieses Werkzeuge einbezogen werden, denn im Laufe der Geschichte wurden Ortschaften zum Teil mehrfach umbenannt. Deshalb wurde für diese Funktion ein eigener Zeitstrahl entwickelt, an Hand dessen die unterschiedlichen Grenzverläufe im Laufe des vergangenen Jahrhunderts dargestellt werden und somit eine historische Einordnung ermöglicht wird. Die Veränderungen beziehen sich auf Deutschland und seine Grenzen von 1900 bis heute.
Schlagwortwolke
Über eine Schlagwortwolke, durch die man sich hindurchbewegen kann, ist das Stöbern in den in der Datenbank eingetragenen Schlagworten möglich.
Ein zentrales Element der Datenbank ist das Schlagwortsystem, dessen Aufgabe darin besteht, die in den Interviews geschilderten Erinnerungen in strukturell einfache und präzise definierte Schlagworte zu übersetzen. Dies ist nicht nur notwendig, um die Komplexität und Vielfalt der Informationen systematisch zu ordnen, sondern vor allem auch, um die Inhalte der Interviews dem Benutzer zugänglich zu machen. In einer Wolke werden die Worte angeordnet. Je größer das Schlagwort dargestellt ist, desto häufiger ist es mit einzelnen Filmbeiträgen verknüpft.
Unsere-Geschichte.de kann genau dies leisten. Über eine satzgenaue Verschlagwortung aller Interviews ist es möglich, aus den 90 Minuten und mehr umfassenden Interviews über die verschiedensten Themen exakt die relevanten Aussagen heraus zu filtern. Über die Verknüpfung von Transkript (rechts) und Video (links) lässt sich sowohl im Vidoeplayer als auch im Text parallel schnell und komfortabel navigieren. So ist eine schnelle zielgenaue Recherche ebenso möglich, wie das Stöbern in langen Filmbeiträgen.
Auf diese Weise entsteht mit dem Portal eine einzigartige digitale Filmbibliothek. Der technische Grundstein ist gelegt. Im nächsten Schritt muss nun das vorhandene Filmmaterial digitalisiert und in die Datenbank eingepflegt werden. Der Verein Die Augen der Geschichte e.V. als Eigentümer der Interviews ist derzeit auf der Suche nach Sponsoren, die die Befüllung der Datenbank sowie die Sammlung weiterer Zeitzeugendokumente ermöglicht.





